Eine Struktur beginnt auf verbaler Ebene dort, wo die zentrale Person sich innerlich gerade befindet, und zielt darauf ab, das Bewusstsein für die inneren alten Reaktionsmuster (Old Map) zu sensibilisieren, die mit dem aktuellen Problem einhergehen. Oft spüren wir gar nicht, dass uns Menschen wahrnehmen oder uns zugetan sind, weil wir in unserer frühen Lerngeschichte nicht gesehen worden sind. Unsere Wahrnehmung und unsere inneren Reaktionsmuster auf die Welt sind geprägt von dieser alten verinnerlichten Erfahrung (Wahre Szene), durch die wir das oft schmerzhaft wiederholen, was wir kennen.
Historische Szene und Platzhalter
Wird diese Wahre Szene im fühlenden Bewusstsein deutlich, tauchen oft assoziativ Erinnerungen an bestimmte Aspekte unserer frühen Lerngeschichte (Historische Szene) auf, die damit verbunden sind. Bedeutsame Personen und damit verbundene bedeutsame interaktionelle Erfahrungen werden mit sogenannten Platzhaltern in den Raum (auf die Bühne der Struktur) gebracht. Relevante positive und negative Aspekte dieser Personen werden als Prinzipien zusätzlich hervorgehoben.
Emotionen, die damals nicht erlebt oder ausgedrückt werden konnten, können auf symbolischer Ebene durch die Unterstützung von Schutz, Halt oder Erlaubnis gebenden Figuren neu durchlebt und im Kontakt ausgedrückt und stimmig verarbeitet werden. Das Prinzip der positiven Umkehrung ermöglicht schon frühzeitig, alternative Vorstellungen heilender Interaktionserfahrungen als sogenannte Bookmarker auf der Bühne der Struktur fühlbar werden zu lassen.
Antidot – die heilende Abschlussszene
Daraus entwickelt sich gegen Ende der Struktur in einem weiteren Schritt die heilende Abschlussszene (Antidot), in Form von interaktionellen heilenden Gegenerfahrungen für unsere Kindheit, die mit Rollenspielern auf der Bühne der Struktur in symbolisierter Weise erlebt werden können. Diese Passform-Interaktion wird aus der inneren ungestillten Sehnsucht des Kindes heraus erarbeitet; die Rollenspieler stellen dabei genau das zur Verfügung, was das Kind in diesem Alter im interaktionellen Kontakt gebraucht hätte.
Darüber kann die zentrale Person genau das erfahren bzw. fühlend in sich aufnehmen, was sie damals als Kind in der Beziehung mit Eltern („ideale Eltern“) gebraucht hätte. Mit diesem Schritt schließt der Prozess einer Struktur ab – durch die tiefe Verankerung dieses heilenden Gegenbildes auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene.
Mit diesem Vorgehen wird es zwar nicht möglich, die negative historische Szene zu löschen. Stattdessen ermöglicht die Verankerung einer alternativen heilenden Gegenerfahrung die Erinnerung an eine neue Geschichte, die uns auch im Hier und Jetzt andere Möglichkeiten der Wahrnehmung und Interaktion zur Verfügung stellt.
Autonomie und Freiheit
Der Schwerpunkt dieser gruppentherapeutischen Arbeit liegt auf der absoluten Autonomie und Freiheit des Einzelnen, deren tiefe Achtung wichtiger Bestandteil der Pesso-Therapie ist. Die Klientinnen und Klienten können jeden Schritt aus ihrem inneren Erleben heraus entwickeln und haben die Freiheit, ihn so weit zu gehen, wie es für sie stimmig ist.
Eine grafische Darstellung des Ablaufs finden Sie unter Grafik-Struktur.